Run auf 2026

Liebe Homepage, liebe Besucher:innen dieser raren Schönheit,
zum Jahresende ist es mir ein Anliegen – eigentlich zum Ende der Rauhnächte –  einen Gruß vorweg zu schicken.
 
2025 ist unsere wunderbare Tochter auf die Welt gekommen. Und ich hätte immer gedacht, es wäre einfach, alles weiterlaufen zu lassen wie bisher. Wenn einem aber die zweite Hand genommen wird, ist das eine Erfahrung, die ich mir davor nicht hätte weismachen lassen. Im Alltag – und ebenso in der Kunst. Wenn jemand immer jemanden braucht und keine Viertelminute Abwesenheit bereits zu existenzieller Traurigkeit führt, dann ist das keine Schwäche, sondern die Abhängigkeit eines kleinen Menschen, der ohne seine Bezugsperson nicht esistieren kann. Diese Form von Gebundenheit verändert alles. Erst jetzt, wenn ich fast gar keine Kunst machen kann, wird mir deutlich, was sie für mich war: eine Form von Ventil, vielleicht Therapie, Ausdruck, Kommunikation, Lebenswert. Ein Weg, mit der Welt, ihren Konflikten und ihren rein sozialen Auseinandersetzungen umzugehen. Das Ausbleiben meiner Methodik macht ihren Wert erst sichtbar. Auf Instagram werde ich überhäuft von Reels aller möglichen Künstler:innen, als würden sie mir Appetit machen wollen. – Ja, ich bin wieder angemeldet auf Insta und addicted, jedoch mit einem Sensor im Kopf, der meistens dann greift, wenn die hardcore tattoowierten Leits kommen. Die bringen nämlich ganz besonders meine Zellen in Wallung und manipulieren meine Träume, Fragen an die Welt. 
 
2025 war oberflächlich ein ruhiges, kreativ ein ruhiges, persönlich ein einschneidendes Jahr, das derart einzigartig für 2025 steht. Einige fixe Positionen sind geblieben und werden bleiben. 2025 hat Bedenkzeit freigegeben und wurde gekrönt von meiner neuen  Position als Obfrau des Vereines erostepost sowie der Ausstellung „Was macht eigentlich unschuldigVerdorben“ im Salon Rosa Beige. Dafür möchte ich mich bei meinen Mithelfer:innen, Isabell und den Musikern Didi und Hans Jürgen noch einmal ausdrücklich bedanken.
In Zukunft schwebt mir vor, mich jederzeit bei jeder Person, die gut auf meinem Weg kommt, mit Textilerinnerungen bedanken, den gemeinsamen Akt in Zukunft wieder herleiten zu können mit dieser Kleinigkeit – einmalig, individuell. Ob das Teil eines Projekts ist oder nicht, völlig plunsn. Unschuldig-Verdorben ist etwas Bleibendes. Über Enttäuschungen oder verpasste Momente möchte ich hier nicht ausführlich sprechen. Alles hat seine Lehrzeit und die ist auch mal ne Leerzeit und in der kann man lernen oder ins Kastl schauen oder am Meer spazieren gehen. In diesen stillen Phasen geraten Menschen zurück ins Gedächtnis, denen ich gerne sagen möchte: Schaut, es gibt uns noch. Wir haben uns sogar vermehrt, also wird es wird uns auch in Zukunft geben – solche Prophezeiungen sind mir über die Jahre heikel geworden. Ich habe sie manchmal als eine Art Fluch empfunden – als würden Dinge nicht geboren werden, wenn sie zu früh ausgesprochen werden. 
 
Zu Vollmond wird in Hallein das Schaufenster umgestaltet. Immer eine kleine Aufgabe haben, aus dem Haus heraus kommen und kreativ etwas schaffen, erschaffen, bewegen, dann dreht sich der Kopf nicht mehr; das, was im Kopf ist, dreht sich nicht mehr, dann ist der Blick gerader.
Diese Vollmondin ist eine besonders starke: Die Corona um sie herum schimmert in Regenbogenfarben. Wir waren geflasht, unsere Blicke geradwärts nach oben in derber Anbetung.
 
Was macht eigentlich unschuldigVerdorben? Dazu zählt das Sammeln von Textilien, die nicht mehr gebraucht werden. Jede Person kann unnütz gewordene, textile Gegenstände aus dem eigenen Haushalt zu mir bringen – oder bringen lassen. Gesammelt werden Handtücher, Stoff- und Einkaufssackerl (auch Ikea-Sackerl), sofern sie nicht stark verschmutzt sind, sowie Textilien, die zu viel geworden sind. Man nimmt seine Lieblingsstücke heraus und gibt mir den Rest. Diese Materialien fließen in ein Projekt, dessen genaue Form ich an dieser Stelle noch nicht verrate.
Zusätzlich nimmt Unschuldig-Verdorben Jersey-Waren an – bevorzugt in dicker Qualität von Weiß über Grau, Schwarz sowie Primär- und Sekundärfarben. Wenn es zu bunt wird, wird sortiert. Das trifft für alle Bereiche zu. Selbst zur Kleidersammlung bringen ist eine zusätzliche Möglichkeit. Hochwertige Pullover mit Löchern reparieren wir auf Wunsch sehr sorgfältig. 
Ein Beispiel einer Verarbeitung ist nun im Schaufenster zu sehen: ein Poncho, gefertigt aus unterschiedlichsten Kleidungsstücken, die zu einer Aktion im Advent 2023 gespendet wurden.
 

Unschuldig-Verdorben ist kein abgeschlossenes Projekt und kein penibel aufgeräumter Ort. Es gibt immer etwas zu bewegen zwischen Menschen, Materialien und Momenten. Manchmal sichtbar im Schaufenster, manchmal nicht einmal im Tun. Alles Weitere findet sich.

ps/ regelmäßig Blog schreiben, verdammte Axt! Notiz im Kalender machen, vllt. parallel zum Schaufenster. Hilfe von KI beanspruchen fürs Eintippen und sortieren meiner Gedanken. Endkorrektur bleibt Chefinnensache. Ehrensache.
Arbeiten dokumentieren. Das reicht fürs erste. Ich habe gelernt, dass Zeit andere Zahlen nutzt als ich es bisher gewohnt war. Also nochmal so viele Jahre wie die, die ich bisher gelebt habe, bleiben mir ja noch. 20 Jahre hab ich (vom Leben be-) trunken gelebt. Ganz bestimmt darf ich noch eine Steigerung miterleben, ganz bestimmt.

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