1. Schrift: Abrißfunken

circa 100 Seiten, Softcover

Kurzgeschichten und Gedichte über die Welt auf eine Art, wie sie diese sieht und es versteht, euch schwerzumachen, sie zu verstehen.

vgl. Bauschuttromantik: essbereite Happen, bessere Zubereitung

 

in Zusammenarbeit mit MARK

Verein MARK für kulturelle und soziale Arbeit und Verlag Neues Leben beim jährlichen Wettbewerb "Wir lesen uns die Münder wund" 2015

 

erhältlich unter contact_from_outside_to_inside@unschuldigverdorben.de

 

oder bei allen ebook-Ausgebern in the World

thanks to feiyr.com

Es fing nirgends an, auch nicht mit dem Gewitter Ende März. Die Welt verstummt mit einem einzigen Knall, wie durch ein Mikrophon tropft der Regen und schneidet die Luft mit stählernen Gitterstäben in parallele Scheiben. Eine graue Böschung liegt im Kreis. Gelb, Blau und Grün sind die Farben unseres Himmels. Die saftige Sonne rückt das pralle Blattwerk kantenscharf in unseren Mittelpunkt.

Paarweise reihen sich weiche Automaten aneinander auf durchbluteten Ästen. Ihre Bewegung potenziert leichtes Sägen im Wind. Der Tag atmet aus, er befindet sich in seinen letzten Zügen, morgen bricht die große Müdigkeit herein und endlich werden die Temperaturen deutlich ansteigen. Ein, Zwei, Drei Pulsschläge, die Menge tobt willkürlich, man hat sie im Schlaf überrascht.

Erstarrte Luft aus Licht riecht nicht nach Wald und Wachstum, obwohl die Zeit dafür eigentlich gekommen sein sollte. Die Stadt sagt, sie hätte bereits die erste Etappe hinter sich, doch unvollendeter Hochmut ist fad, der schmeckt ihr nicht. Von saftigem Frühling ist keine Spur.

Als Erinnerung an die Stunden, in denen die junge Frau noch nicht wusste, was tatsächlich zu ihr gehört und weshalb man ihr diesen Namen gab.

Ein schmaler Grat zwischen Herde und Schafen ist ihr Weg. Er macht sie abhängig von den simplen Auswüchsen ihrer Mitmenschen.

„Du klebst an deinen Erinnerungen und befindest dich nicht im Diesseits. Deine Ruhemomente füllst du lückenlos mit Büchern, digitalen Medien und Musik auf Schritt und Tritt. Du schließt jede freie Sekunde hermetisch von Beschäftigungen aller Art ab. Du sprichst von Weiterbildung, Information, Unterhaltung. Du identifizierst dich mit den Meinungen und Erfahrungen deiner nahen sowie oberflächlichen Bekannten. Du bist ein Baukasten deiner Umwelt, die nicht annähernd kongruent ist mit deinem angeborenen Intellekt. Du klebst einheitlich wie ein Zellstofftaschentuch an zähem Honig. Deine Existenz ist viskos.“

Die letzten Tage und Wochen haben Narben hinterlassen, es war ein brachiales Unwetter über die Stadt gekommen. Die Stadt sagt, alles sei relativ, demnach auch die Strenge der Naturgewalten. Mit dem nächsten Schritt auf dem Zeitbarometer soll sich etwas weiter vorn eine Erholungsphase anbahnen. Wollen wir hoffen, dass die Meteorologen Recht behalten.

Gewitterlösende Spannungen im Kopf, die Welt feiert Fastnacht solange die Sonne im Orient scheint. Abendliche, kühle Regenschauer befüllen Gewässer stetig mit Wasser aus dem Kreislauf des Planeten Erde. Eine unangekündigte Entladung trennt alle Gemüter mitsamt ihrer Knoten voneinander. Alte Wege schlingen aneinander vorbei, neue Wege entlohnen Löcher mit neu ausgearbeiteten Auffassungen von Würde und Gleichberechtigung. Das Gewitter ist über uns, unser Erlöser öffnet die Fenster und löscht das Licht.